heart.wings.to.fly Rip out the wings of a Butterfly for your soul
6. Kapitel - Cause for Concern, I need loneliness

~Yus Sicht~

Und wieder ein Schultag. Ich hasse Schule. Aber was soll man machen?!
Es ist gerade mal halb acht und ich bin schon auf dem Weg zur Schule. Wo ist eigentlich Strify schon wieder? Ich habe ihn nicht an der Bushaltestelle, wo er normalerweise einsteigt, gesehen. Vielleicht wird er wieder von seinem Vater gefahren. Oder er ist krank. Wobei er gestern gar nicht so aussah, als sei er krank...
Den ganzen Weg zur Schule mache ich mir Gedanken um ihn. Ich mache mir einfach Sorgen um meinen besten Freund...
Endlich angekommen, steige ich aus dem Bus, laufe die letzten paar Meter zur Schule. Es ist noch dunkel, weil es im Winter um diese Zeit einfach immer noch dunkel ist. Ich liebe es, in der Dunkelheit durch die Gegend zu laufen...
Plötzlich sehe ich vor mir eine Gestallt und identifiziere sie sofort als Strify. Ich gehe ungewollt etwas schneller. Bei ihm angekommen tippe ich ihm auf die Schultern, da er mit dem Rücken zu mir steht und mich somit nicht sehen kann. Er zuckt erschrocken zusammen und dreht sich zu mir um. Mich trifft fast der Schlag, als ich ihn sehe. Er hat sich nicht geschminkt und sieht irgendwie so aus, als habe er die halbe Nacht nicht geschlafen. Nun mache ich mir noch mehr Sorgen.
"Strify, was ist los? Du siehst nicht gut aus.", sage ich.
Er weicht meinem Blick aus und starrt auf den Boden.
"Ich... Ich hab einfach nur nicht gut geschlafen.", meint er schulterzuckend. Ich glaube ihm nicht. Ich kenne ihn schon lange und ich merke, wenn er lügt.
"Strify, was ist los? Du weißt, dass du mich nicht anlügen kannst.", sage ich und versuche, in seine Augen zu sehen, aber er guckt mich einfach nicht an.
"Mir gehts gut. Ich konnte nur nicht schlafen, oke?!", sagt er schon etwas angenervt.
Ich seufze. Es hat keinen Sinn, Strify auszuquetschen, er lässt mich ja doch nicht an sich ran.
"Wir sollten rein gehen.", meine ich nach einer Weile des Schweigen. Er nickt und zusammen machen wir uns auf den Weg...
Im Klassenzimmer angekommen, setzen wir uns auf unsere Plätze. Die meisten anderen Schüler sind schon da...
Der Lehrer lässt nicht lange aufs sich warten und der Unterricht beginnt.
Strify sitzt reglos neben mir und starrt aus dem Fenster. Ich beobachte ihn dabei. Er sieht traurig aus. So unendlich traurig. Und ich weiß nicht, was ich dagegen tun kann. Plötzlich fällt mir etwas auf. Der Ärmel seines Pullovers ist hochgerutscht und gibt den Blick frei auf zwei Wunden, ziemlich nah an der Pulsader. Ich bekomme fast einen Herzinfarkt. Ich dachte, er hätte damit aufgehört... Ich nehme seinen Arm und schiebe den Pullover noch etwas weiter nach oben. Strify sieht mich verwirrt an.
"Was hast du gemacht?", flüstere ich, denn ich habe keine Lust, dass der Rest der Klasse etwas mitbekommt. Und der Lehrer muss es auch nicht unbedingt hören.
Strify zieht mir seinen Arm weg und schiebt den Pullover wieder über die Wunden.
"Hab... mich geschnitten.", meint er flüsternd.
"Das sehe ich auch. Aber... Ich dachte, du hättest damit aufgehört.", sage ich.
Er zuckt mit den Schultern und weicht schon wieder meinem Blick aus.
Ich weiß nicht, was ich dazu noch sagen soll. Ich mache mir wirklich große Sorgen um Strify. Aber ich komme einfach nicht an ihn ran. Ich kann ihm nicht helfen, solange er sich nicht helfen lassen will....


~Strifys Sicht~

Ich kann mich heute gar nicht auf den Unterricht konzentrieren. Ich schweife immer und immer wieder mit meinen Gedanken ab, verliere mich irgendwo in der Ewigkeit. Es ist, als wäre ich gar nicht wirklich da. Mein Körper sitzt hier, aber mein Geist ist weit, weit weg.
Ich werde erst aus meinen Gedanken gerissen, als Yu meinen Arm ergreift. Er streift meinen Pullover etwas nach oben, so dass meine Wunden, die ich mir gestern zugefügt habe, sichtbar werden.
"Was hast du gemacht?", fragt er mich flüsternd. Ich beiße mir auf die Lippe. Ich hätte es mir doch verbinden sollen.
"Hab... mich geschnitten.", sage ich.
"Das sehe ich auch. Aber... Ich dachte, du hättest damit aufgehört.", sagt Yu entsetzt. Ich zucke mit den Schultern, ziehe meinen Arm zurück und schiebe meinen Pullover wieder über die Wunden. Ich habe wirklich schon öfters geritzt, hatte auch damit aufgehört... Bis gestern.
Ich versuche Yus Blicken auszuweichen, die er mir zuwirft. Ich weiß, dass er mir nur helfen will. Aber ich kann nicht mit ihm reden. Jedes Mal, wenn ich es versuche, kommen keine Worte über meine Lippen. Es geht einfach nicht. Es ist, als würde irgendetwas in mir sich dagegen wehren...
Die Zeit will heute einfach nicht vergehen. Die Uhr tickt - viel zu laut. Die Schüler sind heute stiller als sonst...
Tickend vergeht die Zeit, langsam, viel zu langsam. Da ich die Nacht kaum geschlafen habe, bin ich nun auch ziemlich müde. Ich möchte einfach nur noch nach Hause und in mein Bett. Ich bereue das, was ich gestern getan habe.
Ohne wirklich zu wissen, was ich mache, kremple ich meinen Ärmel wieder hoch und starre auf die roten Spuren...

Endlich ist der Unterricht vorbei. Ich will nur noch nach Hause...
"Strify, warte mal.", ruft Yu, den ich versucht habe, im Klassenzimmer abzuhängen. Hat wohl nicht ganz geklappt.
Yu holt mich ein, hält mich am Handgelenk fest, weil ich einfach nicht stehen bleiben wollte.
"Strify, unternehmen wir heute was?", fragt er mich, während er sich vor mich hinstellt und mich mit schiefgelegtem Kopf ansieht.
"Ähm.. Nee... Heute ist schlecht.", lüge ich. Ich kann im Moment keine Gesellschaft ertragen.
"Strify, was ist los mit dir? Rede doch bitte mit mir!", sagt Yu und sieht mich dabei schon fast flehend an. Ich beiße mir wieder auf die Lippe. Ich weiß ja, dass er es nur gut meint... "Tut mir leid, aber... ich kann nicht.", sage ich und gehe an ihm vorbei. Es tut mir ja leid, ihn jetzt stehen zu lassen, aber ich brauche jetzt meine Ruhe. Außerdem kann ich es ihm einfach nicht erzählen. Es ist, als hätte ich eine Mauer um mich herum aufgebaut, die niemanden wirklich an mich heranlässt. Und ich kann diese Mauer weder überwinden, noch zum Einsturz bringen...
Ich merke, wie Yu mir immer noch hinterher starrt. Es tut mir leid, ihn mit meinem Verhalten zu verletzen, aber ich kann einfach nicht anders...

28.10.07 03:11
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfόgen

†#1 †#2 †#3 †#4 †#5 †#6 †#7 †#8 †#9 †#10 †#11 †#12

Gratis bloggen bei
myblog.de